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Die englische Supergruppe Genesis hat eine Reihe klangvoller Namen hervorgebracht, die teilweise auch in erfolgreichen Solokarrieren auf sich aufmerksam machten. Peter Gabriel
(mit Soloerfolgen) (bei Genesis 1966 -
1974). Auf den ersten beiden Alben spielten Chris Stewart (From Genesis to revelation) oder John Mayhew (Trespass) an den Drums, bis Phil Collins diese Position ab dem dritten Album dann dauerhaft einnahm. Ab 1976 wurden namhafte
Musiker zur Live-Unterstützung hinzugeholt: Ab 1997 ersetzte
Ray Wilson
den ausgeschiedenen Phil Collins als Sänger für das bislang letzte Album. Die ersten Spuren von
Genesis führen zurück bis in das Jahr 1966, in dem sich mehrere der oben
genannten Musiker damals noch unter anderen Bandnamen als eine Art
Schülerband zusammenfanden. Für viele Genesis-Fans beginnt Genesis allerdings erst 1970, mit dem Album "Trespass". Schon am Outfit des
Albums erkennt man, dass es sich bei Trespass um ein Werk handelt, das zu
einer Serie von insgesamt vier Alben gehört, die sowohl optisch wie auch
musikalisch eine Familie bilden. Dabei ist Trespass das letzte Album, bei
dem Gitarrist und Songwriter Anthony Phillips noch zur Band gehörte, bevor
er sie verließ. Es heißt, er sei krank geworden, er hätte Lampenfieber
bekommen, wäre nervös geworden. Wahrscheinlich war es eine Mischung von
allem. Auf jeden Fall war sein Ausscheiden seinerzeit ein großer
Verlust für die Band, denn auf Trespass sind kompositorische Einflüsse zu
hören, wie sie auch auf den zahlreich erschienenen, allerdings meist eher
durchwachsenen Phillips-Soloalben zu hören waren. Es ist eine feine
Zutat bestimmter Harmonien, die sich im Zusammenspiel verschiedener Gitarren-pickings ergibt. Es ist fraglich, mit welchen Empfindungen Anthony
Phillips die nachfolgenden Jahrzehnte verfolgte. Er verließ eine Band, die
zu den größten der Musikgeschichte zählen sollte, zu einer Zeit, als sie
völlig unbekannt war. Zwischen "Trespass" und dem folgenden Album "Nursery crime" wurden bedeutende personelle Umstellungen vollzogen. So bekam die Band einen, für die nächsten Jahrzehnte festen Drummer, einen gewissen Phil Collins. Der Verlust von Ant Phillips (übrigens ein sehr netter Kerl, hatte mal Anfang der '90er Kontakt wegen meiner damaligen Band The Conversion zu ihm) wurde kompensiert durch Steve Hackett, einem Gitarristen, der atmosphärische Inhalte und einzigartige Spieltechniken in den Vordergrund stellte, die er in den folgenden sechs Jahren beisteuerte. 1971,
"Nursery crime"
wurde veröffentlicht. Auf Nursery crime befinden sich ein paar Tracks, die
die Band noch in vielen Jahren live spielen wird. Da wäre zum Beispiel
"The Musical Box",
ein Dreiteiler, mal laut, mal leise und mit einigen abenteuerlichen
Kostproben des Gitarrenspiels von Steve Hackett. Im darauf folgenden
"For absend friends"
erklingt etwas, was in späteren Jahren noch sehr bedeutsam werden sollte,
die Stimme von Drummer Phil Collins, hier im Duett mit Peter Gabriel. Der
Song ist, verglichen mit anderen Titeln des Albums auffallend sauber
eingespielt und bietet eine sehr eingängige Komposition. Einen wirklich entscheidenden Sprung nach vorne machte Genesis im Folgejahr 1972. Peter Gabriel begann, seine Performance durch Masken und phantasievolle Kostüme zu bereichern, was Aufsehen erregte. Zudem veröffentlichte die Band ein weiteres Album. 1972, "Foxtrott", klanglich recht trocken abgemischt und meines Erachtens nach ein wenig roh wirkend, beinhaltet Material, was die Ambitionen der Band eindrucksvoll unterstreicht. Im Opener "Watcher of the skies" gibt es das Intro, von Tony gespielt auf dem legendären Mellotron, einem Instrument, dessen Name mit keiner Band so in Verbindung gebracht wird, wie mit Genesis - nicht zuletzt wegen dieser Intro. Es folgt ein weiterer Live-Knaller mit "Get 'em out by friday", dessen Version auf dem ersten, ebenfalls 1972 erschienenen Live-Album "Genesis-live" (mit 5 Tracks der letzten 3 Alben) hervorzuheben ist. Mein persönlicher Foxtrott-Favorit ist "can-utility and the coastliners", eine tolle Komposition. Hacketts "Horizons", bei dem er sich auf der klassischen Gitarre ein wenig hastig abmüht, ist der letzte Track vor dem eigentlichen Hauptwerk: "Supper's ready", mal eben 20 Minuten kurz und an kompositorischer Vielfältigkeit kaum zu übertreffen. Der Hörgenuss reicht von leisen, melancholischen Passagen, über typisch britischen Humor bis hin zu den bombastischen Finaltönen. Und wenn die letzten Töne per Fade-out im Nichts verschwinden, träumt der Genesis-Freund bereits vom nächsten Album. 1973.
"Selling England by the pound".
Der Sound wird besser, die Musik gewinnt an Melodik. Das ist der erste
Eindruck, den man zweifelsohne hat. Unterstrichen wird das durch die Intro
des ersten Songs "Dancing with the
moonlight knight". Peter beginnt
solo, es folgt eine Untermalung von Gitarre und Piano. Die Melodie der Intro
ist eine der schönsten Passagen von Genesis überhaupt, nach knapp zwei
Minuten wird der Song dann etwas schwächer. |
Peter Gabriel
Tony Banks
Mike Rutherford
Phil Collins
Steve Hackett
Anthony Phillips
Bill Bruford
Daryl Stuermer
Chester Thompson
Ray Wilson |
1974, Mike Rutherford
philosophierte einst, Genesis hätte kein endgültiges Album. Die Beatles und Pink
Floyd hätten gleich mehrere davon. "The
lamb lies down on broadway" ist meiner
Meinung nach ein solches Album. Das kunstvolle Konzept-Doppelalbum ist das
letzte mit Peter Gabriel und gleichzeitig das experimentierfreudigste von allen
Genesis-Alben. Zwischen den Stücken gibt es praktisch keine Pausen. Es wechseln
sich verschiedenste Passagen ab. Dabei gibt es Stücke, einfach nur bestehend aus
Geräuschen, die durch Keyboard, Gitarre und Bass erzeugt wurden
("the waiting room"). Es ist nicht so
einfach, einzelne Tracks hervorzuheben. Der Titeltrack und zugleich Intro des
Albums lässt schon beim ersten Erklingen der virtuosen Keyboards erahnen, dass es
auch Klang-qualitativ wieder einen Schritt nach vorne geht.
Weitere Highlights sind "Cockoo cocoon",
eine effektvolle Ballade, "In the cage",
"Carpet crawl"
(das in einer '76er Live-Version bekannt werden sollte und sogar
auf "Kuschel-Rock 1" platz fand),
"Lilywhite Lilith"
(mit Rock-Einflüssen), die Balladen "Anyway"
und das traumhafte "The Lamia"
(typische Banks-Nummer). Sehr emotional erklingt der Instrumentalpart
"Silent sorrow in empty boats",
bei dem ein Mellotron-Chor den Hörer in weite Sphären schweben läßt.
Hervorzuheben sind noch "The light
dies down on broadway" im Verbund mit
"Riding the srcee".
Wie bereits erwähnt,
verließ Peter Gabriel die Band nach diesem Album.
Genesis, mittlerweile eine stadienfüllende Superband, wurde mehr und mehr auch
zu einem Geschäft. Peters Kostüme und die Showeffekte wurden immer aufwendiger.
Zeitgleich war Peter der erste, der eine eigene Familie hatte, um die er sich zu
wenig kümmern konnte. Als sein Kind zudem krank wurde, entschied er sich zum
Ausstieg.
dass er in Zukunft nicht untätig blieb, ist hinlänglich bekannt. Peter Gabriel
wurde zu einem der bedeutendsten Solokünstler der späten 70er, 80er und 90er
Jahre. Hits wie "Solsbury Hill",
"Games without frontiers",
"biko",
"sledgehammer",
"don't give up"
sowie weitere geniale Tracks wie "Here
comes the flood" oder
"Blood of eden"
stammen aus seiner Feder. Dennoch wünscht sich die Schar der Genesis-Fans seine
Rückkehr. Ein Wunsch, der Ende der 90er in einer Neuauflage von "Carpet Crawl"
einmal kurz wahr werden sollte (anläßlich eines Greatest
Hits-Albums, in der Besetzung von '71 bis '74).
Nach Gabriels Ausstieg wusste keiner, wie's weitergehen sollte. Diverse Sänger
wurden angetestet, bis man irgendwann merkte, dass die bestmögliche Lösung nur in
den eigenen Reihen zu finden war. Nach einigem Hin und Her stand fest, dass Phil
Collins zusätzlich den Part des Sängers übernehmen sollte. Stimmlich ist er ja
eh nicht so weit von Gabriel entfernt, so dass er die alten Titel live recht gut
rüberbringen konnte. Es ist Ansichtssache, aber ich denke, dass Phil's Gesang der
Band neue Möglichkeiten in der Interpretation melodischer Stücke und in der
Verwirklichung komplexer Harmoniegesänge brachte, Bereiche, die Peters
vielleicht etwas charismatischeren Stimme nicht so lagen. Dies ermöglichte der
Band, im Kompositorischen und in der Komplexheit der Arrangements noch eine
Schippe draufzulegen. Die angestaute musikalische Energie entlud sich in dem
Album
"A trick of the tail".
1975,
"A trick of the tail".
Im Gegensatz zu bisher wurden hinter den einzelnen Stücken die jeweils echten
Komponisten und nicht mehr wie gewohnt die Namen aller Bandmitglieder
aufgeführt. So sind teils gemischte und teils Kompositionen einzelner Musiker
enthalten, wobei sich besonders Tony Banks als kreativer Kopf entwickelte.
"Trick of the tail" zeigt eine klangliche, spieltechnische und kompositorische
Perfektion, wie es sie bei Genesis bis dahin nicht gegeben hat und, vielleicht
mit Ausnahme des '80er Albums "Duke", auch nicht mehr geben sollte. Auf diesem
Album findet man weder auch nur eine unexakte Note noch die geringste
Timingschwankung. Dass das nicht so selbstverständlich ist, wird einem bewußt,
wenn man den ersten Track "Dance on a
volcano" hört, der speziell zum Ende
hin doch äußerst schwierig wird. Track 2
"Etangled"
ist ein gutes Beispiel für die neuen Möglichkeiten, die ein Sänger Phil Collins
bietet. Es ist eine Ballade, wohl komponiert von Hackett, mit einer
grandiosen orientalisch anmutenden Finalzugabe von Banks, die im wesentlichen
auf fein dosierten Arrangements diverser Acoustic- und E-Gitarren basiert. Nach
dem zweiten, vielstimmig eingesungenen Refrain setzen die Keyboards ein. Es ist
ein geniales Gefüge aus orientalischen Melodien und einem choralem
Mellotron-Teppich. Fast ohne Pause "platzt" eindrucksvoll Track 3
"Squonk"
in diese Idylle. Mike Rutherford bedient sich fortan vermehrt der Taurus
Bass-Pedale, was diesen Song, der ein wenig zu lang geraten ist, sehr fett
klingen lässt.
"Mad man moon",
die erste (offiziell) reine Banks-Komposition, wäre unter Gabriel so sicher
nicht möglich gewesen. Selten gab es ein solch melancholisches und musikalisch
ausgereiftes Werk einer Rockband. Hervorzuheben sind hier die detailreiche, oft
unterschätzte Gesangsarbeit sowie die feinen Drum-Arrangements von Phil Collins.
Hacketts malerische "Gitarren-Violine" und Tonys Keyboard-Gerüst machen den Song
perfekt.
"Robbery, assoult and battery"
ist ähnlich zu bewerten wie "Dance on a volcano". Komplex, rhythmisch variabel
und reich an kompositorisch schwierigen Passagen. Es folgt schon wieder eine
emotionale Ballade: "Ripples",
von Rutherford und Banks geschrieben, ist ähnlich aufgebaut wie "Etangled",
nicht ganz so mystisch, im Refrain aber sehr eingängig. Es beinhaltet in der
Album-Version einen langen Instrumentalpart mit Steves legendärer
Reverse-Gitarre, mündend in den finalen Refrain. "Ripples" wurde als Single
ausgekoppelt, einen kommerziellen (als Single erfolgreichen) Hit findet man auf
diesem Album allerdings noch nicht. Das gilt auch für den Titelsong
"A trick of the tail", eine
vergleichsweise luftige 70er-Jahre Popnummer, von dem auch ein Video existiert.
Ein absolutes Highlight ist der finale Track:
"Los Endos" (Sonderlob an Collins)
besticht durch sensationelle Arbeit an den Drums. Darüber liegt ein Harmonie-
und Melodie-Spiel aus Gitarren und Keyboard, unterlegt von einem treibenden
Bass. Los endos bleibt neben "in the cage" der finale Live-Klassiker.
1976, "Wind & wuthering",
das emotionale, das graue, das kunstvolle Album. Mit einem mystischen Intro
beginnt "Eleventh earl of mar",
der Einstiegs-Track. Der eigentliche Song soll wohl relativ bombastisch klingen,
es mufft aber ein wenig im Sound, was auf dem Vorgängeralbum so nicht der Fall
war. Das Gefüge der Instrumente ist bei weitem nicht so transparent wie bei
"Trick", die Drums wirken muffiger, nicht mehr so flüssig und der Bass manchmal
etwas wummrig. Aber, wir haben es bei "Wind & wuthering" mit einem Album zu tun,
dass für viele Genesis-Fans das künstlerisch wertvollste überhaupt ist. Eine
Meinung, die teilweise nachvollziehbar ist. "Earl" beinhaltet einen harmonisch
genial melancholischen Zwischenpart. Track 2
"One for the vine"
ist Banks' Nachfolger zu "Mad man moon". Und es ist möglicherweise auch der
beste Titel des Albums. Die Grundkomposition mit den Gesangsteilen ist
phantastisch, ein weiterer sehr leiser Zwischenteil traumhaft schön. Zum Konzept
des komplexen 10-Minuten-Tracks gehören auch lautere Passagen, die sehr reich an
Ideen und teils spaßigen Sounds sind.
Mike Rutherfords erste komplette Eigenkomposition
"Your own special way"
ist ein hervorragend getexteter Lovesong mit guter Komposition, auf diesem Album
allerdings in einer recht weinerlich wirkenden und nicht immer sauber
eingespielten Fassung zu finden. Eine spätere Live-Fassung, zu finden in der
zweiten Archives-Box, kommt da schon besser. Zudem hat Hackett diesen Titel auf
einem seiner Soloalben als Popballade mit Paul Carrack produziert, im
Mechanics-Style, was gar nicht so übel klingt. Track 4 auf "Wind" ist
"Wot Gorilla",
ein Hauch "Los Endos". Die Banks-Nummer
"All in a mouses night" bewerte ich
etwa wie "Eleventh earl". Sie beinhaltet ein sehr interessantes Zwiespiel
zwischen Gitarre und Synth in einem magischen Schlusspart. Bei genauem Hinschauen wird
einem nebenbei eine schleichende Problematik innerhalb der Band bewußt. Tony
Banks ist zu dominant, so dass für Steve Hackett und seine Ideen zu wenig Platz
blieb (sein durchaus gelungener späterer Solo-Track
"Please don't touch"
wurde seinerzeit für das "Wind"-Album nicht berücksichtigt).
"Blood on the rooftops" zeigt die
kompositorischen und spieltechnischen Fähigkeiten von Hackett, speziell durch
die fantastische Intro auf der klassischen Gitarre. Er teilt sich die
Komposition mit Phil, der vermutlich den Refrain beisteuerte (klingt jedenfalls
so). Es folgen Genesis-typische Instrumental-Tracks, teils atmosphärisch, teils
rhythmisch treibend und progressiv. Per fließendem Übergang erreichen wir die
abschließende Ballade
"Afterglow"
von Tony. Der dicht und flächig klingende Song ist wegen seiner rhythmischen
Einfachheit nicht ganz typisch für Genesis, aber seine emotionale Wirkung ist
groß. Kompositorisch geniale Tonlagenwechsel machen den Song anspruchsvoll,
obwohl er immer einfach klingt (eine Kunst, die auch
Nik Kershaw
(The Riddle), ein gewisser Kit Watkins
(für ein Album auch bei den Rock-Dinos von
"Camel"
zu Gast) sowie die weithin unbekannte Band
"it bites"
beherrschten). "Afterglow" zu hören empfehle ich im Verbund mit "In the cage"
auf dem 82er-Live-Album "Three sides live".
Unmittelbar nach "Wind" folgt das legendäre Live-Doppelalbum "Seconds Out". Der Abstand war zeitlich so knapp, dass von "Wind" lediglich ein Titel (Afterglow) schon zum Repertoire gehörte. "Seconds out" bietet reichlich Höhepunkte aus den bisherigen Alben, wobei man durchaus behaupten kann, dass einige der Live-Versionen besser erscheinen als die älteren Studiotakes. Beispiel dafür ist meines Erachtens "Supper's ready", aber auch "Firth of fifth", "Cinema show" und das hier in seiner bekannten Version vorfindbare "Carpet Crawl". Die Versionen von "Volcano" und "Los Endos" incl. Drumsolo kommen absolut bombastisch und lassen erahnen, welch Spektakel ein Genesis-Konzert in dieser Zeit darstellte.
Das auf diesem Doppelalbum
stellenweise schon recht dünn und spärlich abgemischte Gitarrenspiel von Steve
Hackett waren denn auch seine letzten Töne, die er zu einem Genesis-Album
beisteuerte. Grund für die Trennung seinerseits war mangelnde Akzeptanz im Songwriting. Da auch parallele Soloaktivitäten nicht erwünscht waren bleib er
weiteren Band-Aktivitäten fern und stieg aus. Nachdem er bereits 1975 ein
kunstvolles Soloalbum (sogar mit Unterstützung von Phil und Mike) produzierte,
betrieb er in den nun folgenden Jahren mit teils großem Aufwand eine
Solokarriere und machte sich dabei einen Namen. Anspieltipps:
"Spectral mornings"
(sein bester Track),
"The Steppes",
"The Virgin and the Gypsy",
"There are many sides to the night",
"Sierra Quemada",
"Star of Sirius",
"The Lovers"
(mit Sally Oldfield), "Déja Vu",
"Concert for munich",
"A form in wax",
"Racing in A",
"The voice of necam/Icarus Ascending"
und natürlich
"Hoping love will last"
(mit der damals noch relativ unbekannten Randy Crawford).
Eine Top-Band wie Genesis verlässt man nicht so ohne weiteres. Im Nachhinein ist
man immer klüger, betrachtet man aber den weiteren Weg der Band, dass
Soloalben, ja richtige Solokarrieren schon wenige Jahre später zur Normalität
gehörten, war es vielleicht ein Fehler, auszusteigen, zumal auch Banks' Dominanz
fortan etwas geringer wurde.
1978. "...and then there were three...", wie der Name schon sagt, ein Mann weniger an Bord, sicher ein Verlust an Vielseitigkeit. Doch wo etwas geht, da entsteht Platz für etwas neues, nämlich erste Anzeichen einer deutlich kommerzielleren Ausrichtung. Fangen wir deshalb in der Bewertung des Albums mal beim letzten Track an. "Follow you, follow me" ist der erste echte Hit der Band, deren Bekanntheitsgrad sich dadurch nochmals deutlich vergrößerte. Ansonsten blieb die Band ihrem Stil einigermaßen treu. Track 1 "Down and out" spielt eine ähnliche Rolle wie "earl of mar" auf "Wind". Es folgen einige in sich relativ ähnlich strukturierte Balladen wie "Undertow" (klasse Ref), "Snowbound" (schöne Strophe, mäßiger Refrain. Es gibt eine schöne Version auf dem Genesis Klassik-Album "We know what we like / The London Symphony Orchestra mit David Palmer und "Guest" Steve Hackett), das hervorragende "many too many" (2. Single nach "Follow") und das ebenfalls gelungene "Say it's allright Joe". Es gibt auch flottere Stückchen wie "Ballad of big" und "Scenes from a night's dream". Die Highlights: Der längste Titel des Albums "Burning rope" von Tony hat die Qualitäten früherer Banks-Tracks. Mikes "Deep in the Motherlode" klingt richtig fett und kommt hervorragend rüber. "The lady lies" ist der eigentliche Album-Abschluß vor dem völlig aus dem Rahmen fallenden "Follow you". Gitarrist des Albums (und der folgenden) ist übrigens ein gewisser Mike Rutherford, der diesen Part zusätzlich übernahm. Manch Genesis-Fan, für den der Hackett-Weggang (nicht ganz unbegründet) das Ende "der" Genesis-Ära bedeutete, möge mich schlachten wollen, aber ich finde, Mike macht das nicht schlecht, zumindest im Studio (live weniger), hat auf "three" sogar sowas wie einen eigenen Sound gefunden (mal genau hinhören).
1980, es wurde ruhig um Genesis. Jeder der drei Verbliebenen machte ein Soloalbum. Während Banks ("A curious feeling" - ein streckenweise sehr schönes, intelligentes Album) und Rutherford ihre Alben unter ihrem eigenen Namen veröffentlichten, spielte Collins für ein Album mit der Band "Brand X". Es wurde seinerzeit das Ende der bei der Presse ohnehin nicht sonderlich beliebten Band Genesis herbeigeredet. Dann erschien dieses Album: "Duke".
Schon der fette Intro-Akkord von "Behind the lines" deutet an, die Band hatte sich etwas vorgenommen. Mit diesem ersten Track setzen sie gleich ein Zeichen, denn das Gefüge aus Keyboards, den interessanten Basslinien und Rhythmen hat es wahrlich in sich. Fließend geht es über in Track 2 "Duchess". Über gut 2 Minuten erstreckt sich eine traumhaft schwebende Intro, bei der erstmalig die Rhythmbox Roland CR-78, die Genesis und Phil Collins während seiner Solokarriere zum legendären Teil gemacht haben, eingesetzt wurde. Mit Marching-Drums steigert man sich zum dichten Hauptteil des Songs. Im Abklingen geht er über in eine kurze Ballade "Guide vocal". Nach dem lauten "Man of our times" folgt Phils erster komplett eigener Songbeitrag "Misunderstanding", der zugleicht ein Hit wurde. Eine feine, Banks-typische Ballade folgt mit "Heathaze". "Turn it on again" ist eine der bekanntesten Genesis-Nummern und zudem ein wichtiger Live-Track. Er klingt scheinbar einfach, aber als ich ihn vor Jahren versuchte, mit einer Coverband zu spielen, wurde schnell klar, wie anspruchsvoll das Teil ist. Mikes "Alone tonight" ist eine melodische Ballade, Tonys "cul-de-sac" ein Genesis-typisch komplexer Song. "Please don't ask", ist eine Ballade, bei der es erstaunt, dass ein Drummer so etwas komponieren kann. Phil Collins hat scheinbar Blut geleckt, denn der Beginn seiner Solokarriere steht unmittelbar bevor. Zum Abschluß des Albums zeigt sich Genesis noch mal von seiner allerbesten Seite. "Dukes travels" bietet nach einem flächigem Intro ein progressives Geflecht aus genialen Keyboard-Melodien und absolut überzeugender Bass- und Drummarrangements. Auf dem Höhepunkt des Tracks erklingt unerwartet die Stimme von Phil, wobei die Komposition von "Guide Vocal" wiederbelebt wird. Das Ende von "Travels" ist schlichtweg genial aufgelöst. Jeder Genesis-Liebhaber sollte es genießen, denn so etwas wird es auf einem Studioalbum in Zukunft nicht mehr geben. Über einen überraschenden Drehorgel-Sound geht es zum Finaltrack "Dukes end", in dem die Band noch mal richtig Gas gibt und sich dabei der Harmonien von "Behind the lines" bedient. Mit Duke verabschiedet sich übrigens Dave Hentschel, Genesis-Mit-Produzent seit 1975.
"In the air tonight", so heißt der Titel, der einiges verändern sollte. Aber, es ist kein Genesis-Song sondern die Single zu Phils erstem Soloalbum. "In the air" wurde zum absolutem Tophit und machte Phil zu einem Superstar. Zahllose Hits wie "Another day in Paradise", "Something happened on the way to heaven", etc. sollten folgen. Immer hatten diese Songs eines gemeinsam: Es war richtig gut gemachter Pop, nicht mehr aber auch nicht weniger. Und ob der Rest von Genesis wollte oder nicht, er musste sich diesem Umstand anpassen. Heraus kam dabei ein Album, dass man wohl als Übergangsalbum zur Genesis Neuzeit bezeichnen kann, wenngleich dieser Prozess eigentlich bereits mit "Follow you, follow me" eingesetzt hatte.
1981, "Abacab" ist der Titel, der dem Album auch seinen Namen gab. Es ist ein sparsam, aber intelligent arrangierter Track, der locker und cool daherkommt, ganz so, wie es Phil Collins gefallen haben dürfte. Auf diesem Weg konnte Genesis sich finden und weiter existieren, nicht so Pop-orientiert wie Phil solo, etwas experimentieller, aber dennoch kommerziell. "No reply at all" passt in's Bild, auch Bläser finden ihren Platz. Track 3 "Me and Sarah Jane" ist Tonys letzte reine Eigenkomposition auf einem Genesis-Album. Die Nummer erinnert nochmal stark an frühere Zeiten, enthält viele verschiedene Kompositionspassagen und hat ein wirklich gutes Niveau. "Keep it dark" ist ein Popsong mit einem durchaus eigenständigem Charakter und einer gewissen Atmosphäre. Mit dem Zweiteiler "Dodo/Lurker" lehnt sich die Band erfreulicherweise noch mal stark an "Duke/Behind the lines" an, während es sich bei "Who dunnit?" (ein Schock für alle Genesis-Puristen) um eine Klamauk-Nummer handelt. Phils sparsam produziertes "Man on the corner" hätte auch auf einem seiner Soloalben Platz gefunden, während Mikes "Like it or not" ein gelungener Track, passend zur derzeitigen Phase ist. Zum abschließenden Track "Another record" fällt mir überhaupt nichts ein, nur, dass stattdessen mit "You might recall" eine wirklich gute Nummer gecancelled wurde, die aber glücklicherweise auf folgendem Live-Album als Resteverwertung untergebracht wurde. Abacab wurde produziert von Genesis und gemischt von Hugh Padgham.
1982. In diesem Jahr brachte Genesis das Doppelalbum "Three sides live" heraus. Ursprünglich war es in der Tat so, dass es sich bei drei Vinyl-Seiten um Live-Material und bei Seite vier um Studiotracks handelte. In einer später erschienenen zweiten Version wurden diese Studiotracks durch ältere Live-Aufnahmen ersetzt. Gleich geblieben sind die Seiten 1-3. Sie beinhalten eine Live-Performance zu Zeiten nach der Abacab-Veröffentlichung. Nach dem Einheizer "Turn it on again" erklingt "Dodo/Lurker", vom Aufbau her gespielt wie die Album-Version, wobei mir auffällt, dass Phil ganz schön "Rotz" in der Stimme haben kann. Es folgt "Abacab". Im Gegensatz zur Album-Version zu einem wirklich guten Abschluß gebracht, kommt die Nummer richtig gut. Weiter geht's mit "Behind the lines/Duchess", wohl aus einem anderen Konzert mitgeschnitten und leider erkennbar leiser auf CD gebracht. Das sollte einer Band wie Genesis eigentlich nicht passieren. Es folgt "Sarah Jane", sicher nicht der Live-Bringer, auf CD in dieser Version aber wirklich gut anzuhören. Abgeschlossen wird die erste Hälfte von dem nervigen "Follow you".
CD2 (Vinyl Seite 3 & 4) startet mit "Misunderstanding", incl. spaßiger Vocal-Gimmicks. Kommen wir aber nun zu einem absoluten Highlight von allem, was Genesis je veröffentlicht hat. Eine etwa 17-minütige Live-Darbietung, bestehend aus "In the cage" von "The lamb", einigen Keyboard-Solo-Passagen von "The Lamb" und "Selling England", sowie "Afterglow". Die Band hat dieses Gesamtkunstwerk (vorausgesetzt, im Studio wurde nicht nachgeholfen) ohne jegliche Fehler, mit großer Vielseitigkeit und Virtuosität gespielt. Ein Lob an dieser Stelle an die beiden (nur Live-)Genesis-Mitglieder Chester Thompson und Daryl Stuermer, der sich in einer Speed-Passage von "Cage" beinahe Knoten in die Finger spielt. Nachdem die Gesangsteile von "Cage" abgehandelt sind, wird Banks zum Star des Tracks, in dem er wie ein Uhrwerk die anspruchsvollen Keyboardlinien meistert. Dann nimmt die Band plötzlich Tempo und Fülle heraus, um über einen Harmoniewechsel zu "Afterglow" zu gelangen. Die Art und Weise, wie das vollzogen wird, ist wohl nur einer Band dieser Welt vorbehalten. "Afterglow" wird dann, anfangs in einer angenehm luftigen und entspannten Version dargeboten. Phils Gesang ist großartig und auch Chesters Drums sind perfekt dosiert. Nach dem imposanten Finale folgt der verdient endlose Applaus.
Nun die Bewertung der ersten Variante von "Seite 4", die mit den 5 Studiotracks. Hierbei handelt es sich zuerst um 3 Resttracks aus der Abacab-Produktion und nachfolgend noch um 2 Reste aus der Duke-Phase. An dieser Stelle sei Staunen angebracht, denn diese Reste erweisen sich weitestgehend als hochwertige Genesis-Songs. Track 1 "Paperlate", ein cooler Popsong mit Bläser-Sektion wurde sogar als Single veröffentlicht. Bei Track 2 "You might recall", einem fließend-rythmischen Track mit sehr viel Atmosphäre, muss man sich fragen, warum er auf "Abacab" keinen Platz gefunden hat. Dies gilt meiner Meinung nach nicht für "Me and Virgil", ein eher holpriger und unmelodischer Track. Der erste Duke-Rest heißt "Evidence of autumn", eine herbstliche Banks-Nummer wie sie im Buche steht. "Open door", eine Ballade von Mike, geht in die Seele vermittelt eine Art von Traurigkeit, die man von Genesis in dieser Form eher nicht kennt.
"Three sides Live - Variante 2": Statt der Studiotracks finden wir hier folgende Live-Tracks: "One for the vine" in einer durchaus interessanten, 1980 aufgezeichneten Darbietung, wobei mich allerdings der total träge Gesang von Phil stört (war der krank an dem Tag?). Es folgt, mit ähnlicher Bewertung, das fossile "Fountain of Salmacis", bevor abschließend eine Kombination aus "It" und dem Finale von "Watcher of the skies", aufgezeichnet 1976 (noch mit Hackett) folgt. Zu diesem Finale fallen mir nur zwei Worte ein: Grenzenloses Spektakel ! Abschließend sei leider angemerkt, dass man beim Pre-Mastering die Start-IDs völlig falsch gesetzt hat :-(
An dieser Stelle endet dann auch endgültig der (aus meiner Sicht) beste Part (1970-1982) von Genesis. Es folgt die kommerzielle Phase, in der die Band pro Album bis zu 5 (!) Tophits koppeln konnte. Die komplexen Werke der Vergangenheit werden nur noch live und in geringen Mengen eingesetzt. Das gilt natürlich nicht für einen Track wie z.B. "Turn it on again", der bei jedem Konzert ein unverzichtbarer Klassiker bleiben wird.
Das '83er Album "Genesis" brachte den Tophit "Mama" hervor, beinhaltete noch einige weitere Hits wie die Schunkelnummer "That's all". Es gibt auch längere Tracks ("Home by the sea") mit Instrumentalpassagen, im Vordergrund stehen allerdings Pop-Tracks wie "Illegal alien".
1986,
"Invisible touch".
Ein 9-Track-Album mit 5-einhalb Top-Hits (auch USA), wer hätte so etwas zu
Zeiten "Supper's ready" je für möglich gehalten. Hit Nr. 1
"Invisible touch" zeigt gleich, wo es
langgeht. Eingängiger, flüssiger Plastik-Pop. Hit 2
"tonight tonight"
hat sogar leicht progressive Züge, aber trotzdem passend zum Album. Hit 3
"Land of confusion"
sorgte besonders durch das Video für Aufsehen. Die Band erreichte damit den
Titel "Videoclip des Jahres". Hit 4
"In too deep"
ist eine herrlich schöne Plastik-Ballade, gegen die man wirklich nichts sagen
kann. Es folgt der "halbe" Hit "Anything
she does", gute Laune-Pop. Mit
"Domino Part 1&2" versuchte Genesis,
eine etwas längere und abwechslungsreichere Nummer beizusteuern. Das häufig live
gespielte Doppelteil findet allerdings nicht so richtig zum Höhepunkt. Es folgt
Hit 5 "Throwing it all away".
Dieser melodische Popsong in gemäßigtem Tempo ist vielleicht der beste Titel
dieser Scheibe. Abschließend gibt Banks noch eine Instrumentalbeilage mit
"The Brasilian"
hinzu. Das Stück hätte auch auf seine Soloalben gepasst, ist dank Phils
Rhythmuscollagen allerdings gut gelungen.
"Invisible Touch" ist für den eingefleischten 70er-Jahre-Genesis-Freak
möglicherweise eine harte Nuss, verdient aber dennoch Respekt. Wieviele Bands
der 70er verschwanden im Jenseits, während Genesis, Phil Collins, Mike & the
Mechanics und zeitweise auch Peter Gabriel weltweit in den Charts abräumten.
Nach einer längeren Pause ging das Gerücht um, Genesis würde ein Album herausbringen, das an frühere Zeiten erinnern und lange, anspruchsvolle Titel enthalten soll. Nun denn, 1989 erschien "We can't dance", in Vinyl-Form ein Doppelalbum, welches aber auf eine CD passte und somit nicht als Doppel-CD herausgebracht wurde. Um das Negative mal vorweg zu nehmen. Auf diesem Album gibt es einen rund 49-Prozentigen Anteil an wirklich schwachem Material, welches denn auch nicht weiter erwähnt werden soll. Macht man es so wie ich, und brennt sich nur die vermeintlich guten Sachen auf eine CD-R, dann erhält man immer noch weit über 40 Minuten an Material, das einerseits prall gefüllt ist mit Hits, anderseits aber auch ein paar streckenweise anspruchsvolle, längere Tracks enthält. Hit Nr. 1 "No son of mine" zeigt, dass der Sound von "Invisible Touch" Vergangenheit ist. Die (Natur-)Drums wurden durch starken Einsatz von Kompressoren äußerst fett gemacht; der Sound an sich ist reich an Höhen. Dieser sich zwei mal langsam aufbauende Song wurde ein großer Hit, trotz einer Spielzeit von über 6 Minuten. Hit 2 "Jesus he knows me", das ist freche, Collins-lastige Popmusik (mit coolem Video). "Driving the last spike" hat ein traumhaft schönes Intro, auch sound-technisch gesehen, wird später leider unheimlich langatmig. Hit Nr. 3 "I can't dance" ist eigentlich Hit Nr. 1 des Albums, zumindest vom Erfolg her. Raffinierter kann ein Pop-Song nicht sein. Ein weiterer Long-Track ist "Dreaming while you sleep", ähnlich zu bewerten wie "spike". "Tell me why" wurde auch als Single gekoppelt, war zwar kein Hit, ist aber ein guter Pop-Song. "Hold on my heart" ist die Popballade des Albums. Dieser Hit ist wirklich gelungen, könnte zwar auch Platz auf Phils Soloalben finden, aber dann würde vielleicht dieser feine Banks-Touch fehlen. Nachdem wir einige Tracks gerne überhören, gehen wir zum Final-Track. "Fading lights", sicher eine Banks-Komposition, bietet eine traumhaft sehnsuchtsvolle Atmosphäre im schwebenden Anfangsteil. Es folgt ein mehrminütiger Zwischenteil, bei dem man den Eindruck hat, dass die drei Musiker ihn komplett ohne Overdubs am Stück eingespielt haben. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Keyboard-Themen, die erst zum Ende eine gewisse Magie entfalten. Es folgt (wieder) einer dieser auflösenden Übergänge ("Cage/Afterglow", nicht ganz so magisch) und mit schwebenden Klängen verabschiedet sich die Band mit ihrem letzten Studio-Album in dieser Besetzung.
Kurz darauf folgen zwei praktisch zusammengehörige Live-Alben mit den Namen "The way we walk" CD1 "The shorts" und CD2 "The longs". Während auf "The shorts" in erster Linie Live-Versionen der Hits der letzten Jahre zu finden sind, gibt es auf "the longs" ein recht interessantes, über 20 Minuten langes Medley, in dem vieles aus alten Zeiten, ja sogar aus ganz alten Zeiten angespielt wird. Für ein paar Takte erklingt sogar eine Melodie aus "Stagnation", einem Track aus einer Zeit, als ein Phil Collins noch nicht existierte und ein Anthony Phillips mit Lampenfieber auf der Bühne stand. Weitere verwendete Fossile sind "Dance on a volcano, firth of fifth, The lamb, I know what I like, Musical Box - Final Part, etc." Auf "the longs" findet man zudem Live-Versionen von "Fading lights" (schwächer als die Album-Version), "Driving the last spike", "Home by the sea" und das obligatorische Phil/Chester - Drumduett (leider ohne "Los endos").
Irgendwann im weiteren Lauf der '90er kam die Meldung, dass Phil Collins die Band verlassen würde. Vielleicht war die Meldung auch deshalb nicht so spektakulär, da man von Genesis ohnehin nichts mehr hörte. 1997 tauchte dann aber ein blaues Album unter dem Namen "Genesis" auf dem Markt auf.
"Calling all Stations" wurde stilistisch angekündigt als Reise zurück in die Gabriel-Zeit, nicht zuletzt wegen der Stimme des neuen Sängers Ray Wilson. In einem Internetbeitrag las ich eine Rezension, es klänge eher wie eines der '80er Banks-Soloalben, mit etwas mehr Gitarre. Dem möchte ich mich anschließen. Nach dem Intro "Calling all Stations" folgen die beiden Kopplungen "Congo" (gutes Video) und "Shipwrecked". Erwähnen möchte ich noch "Not about us" (nette Rockballade), "If that's what you need" (eingängig) und "Uncertain weather" (ein Hauch von "echter" Genesis-Atmo). Der Rest geht unter's Mäntelchen des Schweigens, besonders "One man's fool" (grusel).
Kurz ansprechen möchte ich
noch das Erscheinen zweier Archive-Boxen, jeweils mit beiliegendem Buch:
"Genesis Archive 1967-1975",
erschienen 1998, behandelt die Gabriel-Ära auf 4 CDs. CD 1 und 2
beinhalten eine vollständige Live-Darbietung von
"The Lamb"
und sind - Achtung - kein schlecht klingender Bootleg, sondern eine ganz
hervorragend klingende und gespielte Live-Aufnahme.
CD3 bietet weitere 5 Live-Tracks aus dem Jahre 1973. Besonders
"Dancing with the Moonlight Knight"
kommt hier endlich komplett richtig klasse rüber. Ein sechster Live-Track
"Stagnation"
wurde 1971 aufgenommen, fällt leider deshalb auch etwas ab (schade, hatte mich
gerade darauf sehr gefreut). Es folgen 3 alte A oder B - Seiten, die auf den
Alben keinen Platz fanden.
Auf CD 4 geht es dann in Zeiten zurück ('67 - '70), wobei man hier eher von
Liebhaberei als von echtem Musikgenuss sprechen kann.
"Genesis Archive II
1976-1992", erschienen 2000, enthält 3
CDs, prallvoll mit bislang nicht verwertetem Studiomaterial, div. Live-Versionen
und einigen Remixen bekannter Hits. Folgendes hat mir gefallen:
"On the shoreline"
aus der "We can't dance" - Produktion (deutlich besser als vieles auf diesem
Album), "Do the neurotic",
dropped aus "Invisible touch", ein effektvolles Instrumental wie auch
"Naminanu"
(Abacab) und das schwebende
"Submarine". Von den Live-Tracks
gefallen "Your own special way"
(mit Streicher-Quartett !), "Ripples",
"Deep in the motherlode"
und "Man on the corner"
(hat Club-Atmosphäre). Die restlichen Live-Versionen haben aus
verschiedenen Gründen nicht die Qualität offizieller Live-Alben.
Sehr schön ist, dass auch für die Liebhaber der späten '70er etwas zu finden ist.
"Inside and out"
ist eine sehr schöne Ballade aus "Wind and wuthering", die man seinerzeit
anscheinend nicht zu Ende führen konnte. Gleiches gilt für
"It's yourself"
aus der "Trick of the tail" - Produktion. Ein effektvoller Gitarrenpart
daraus fand
allerdings seinen Platz als Intro des legendären "Los Endos". Bei
"Vancouver",
einer drop-out-Ballade aus "...and then there were three..." kann man dagegen von
einem fertigen und zudem sehr schönen Song sprechen.
Wie erwähnt erschien 1999
das Album "The Hits",
ein wahres Gewitter aller erfolgreichen Single-Kopplungen. Track 18 allerdings ist eine
Neu-Produktion, eine Neuauflage von "Carpet
Crawl". Hierzu erhielt
Erfolgsproduzent Trevor Horn
(Frankie goes to Hollywood, Propaganda, Simple minds, Seal, Yes, Grace Jones, ...) die
Aufgabe, die legendäre 5er Besetzung der '70er unter einen Hut zu
bekommen und die Stärken der einzelnen Musiker in einem modern klingenden Gewand
hervorzuheben. Dies ist durchaus gelungen, auch wenn der kommerzielle Erfolg
weitestgehend ausblieb (in den deutschen Charts eine satte Woche
auf Platz 100).
Dennoch begannen viele Fans zu träumen - von vielen neuen Alben - in der
Originalbesetzung ...
Gute Sache: Genesisfan Fabian Hellmundt /
www.essentialsounds.de.vu
sendete mir folgende Ergänzungen zu neuen Veröffentlichungen:
... diese Träume wurden zwar leider nicht erfüllt, aber dennoch ließ das Jahr 2004 das Herz eines jeden Fans höher schlagen. Mit gleich zwei zeitgleichen Veröffentlichungen arbeitete Genesis seine Vergangenheit abermals auf, zum einen mit der „Platinium Collection“ und zum anderen mit der „Video Show“.
In der Platinium Collection wurden die nach Bandmeinung wichtigsten Songs, vom ersten (kommerziell eingeschlagenen) Album Trespass mit The Knife bis zum letzten Calling All Stations mit gleichnamigem Song, auf 3 CDs vereint. Jedoch handelt es sich hier nicht nur um eine einfache Zusammenstellung, ein Großteil der Stücke wurde von Nick Davis aus den Originaltapes remixed! Das regt auch den Fan mit der vollständigsten Sammlung an, sich diese Collection doch zuzulegen – und es lohnt sich: Mit dem neuen Mix kommen viele Songs noch direkter und klarer rüber, als sie es sowieso schon taten. Anspieltipps sind hier sicherlich um nur ein paar zu nennen „Cinema Show“ mit Tonys legendärem Keyboardsolo oder „In That Quiet Earth“, dessen treibender 6/8 Rhythmus nun noch besser zur Geltung kommt und dadurch den ganzen Song fetter erscheinen lässt. Einziger Wehmutstropfen: Es fehlen Songs wie „One For The Vine“ oder „Watcher Of The Skies“. Aber so kann man sich auf die Veröffentlichung einer „Gold Collection“ eigentlich nur freuen ;-)
| Genesis Biografie by Alistair Cohn, 2003. |
